Das WIGAFF legt grossen Wert auf fachübergreifende Weiterbildung seiner Mitglieder. Diese Spezialisten stehen von der Beratung, Planung bis zur Ausführung mit ihrem Know-how dem Bauherren zur Seite. Das WIGAFF bietet in Problemfällen eine neutrale, kostenpflichtige Expertise an. Nachfolgend stellen wir Ihnen einige Beispiele solcher Expertisen vor.

Gutachten A







U/Zeichen FK/CR
Auftrags -Nr. WIGAFF
4410 Liestal, 13.11.07

Begutachtung Wintergarten


Ausgangslage

Herr XY ist auf anraten eines WIGAFF-Mitgliedes auf das WIGAFF zugetreten, betreffend einer Begutachtung seines Wintergartens an seinem Einfamilienhaus in einer Baselbieter Gemeinde.

Herr XY schilderte folgende Probleme.

- Wassereintritt bei starkem Regenfall an der Front
- Starker Kondensatanfall an den Wintergartenprofilen
- Rostspuren an den Dachsparren und Sturzträger der Front
- Sulfatausblühungen im Brüstungsmauerwerk infolge Feuchtigkeit
- Feuchtigkeit im Boden.

Bilder der beschriebenen Schäden:

Kondensat

Kondensat, Wassereinbruch, Traufe


Rost

Rost Sturzträger und Sparren (Sturzdetail)


Sulfat

Sulfatausblühungen Brüstung



Beurteilung
Der Wintergarten ist an der Südwestecke des EFH angebaut. Seine Fläche beträgt 13m2 Grundfläche und einem Raumvolumen von 32m2. Dieser ist relativ stark eingewachsen, d.h. von Pflanzen beschattet. Deshalb ist die Konstruktion konstant mit einer hohen Feuchtigkeit belastet. Die Konstruktion weist einige konzeptionelle und demzufolge technische Mängel auf.
Bei einer so hohen Feuchtigkeitsbelastung mit wenig Austrocknungspotential, ist mit hohem Kondensatanfall bei kalten Oberflächen (Glas, Stahl-Alu)zu rechnen.
- An der Isolierverglasung fällt infolge der hohen Luftfeuchtigkeit konstant Kondensatniederschlag im Glasverbundbereich an. Die eingesetzte Isolierverglasung entspricht nicht mehr den für diesen Fall üblichen wärmetechnischen Anforderungen.
- Die Dachsparren sind gegenüber der warmen Innenluft offen (vgl Sturzdetail). Dies führt dazu, dass feuchte Raumluft im Sparrenhohlraum auskondensiert und die nicht oberflächenbehandelte Innenseite des Sparrenprofiles rostet. Die alten Befestigungslöcher der „Storen“sowie der Sturzanschluss zeigen dies deutlich.
- Die Abdeck-, Dachglashalteprofile auf den Sparren sind nach außen nicht „entspannt". Kondenswasser, welches sich in diesem Hohlraum (Sparren-Glas-Abdeckprofil) niederschlägt, kann nicht ins Freie ausfließen und sucht sich seinen Weg unkontrolliert über Fugenundichtigkeit in den Raum. Vgl. Rostspuren im Sturz und bei Befestigungsschrauben.
- Die Konstruktion wurde dreiseitig auf einem Mauerwerk aus Bachsteinen montiert. Eine Sandstein-Fensterbank bildet den äußeren Brüstungsabschluss. Das Mauerwerk ist nicht gedämmt und die Perimeterdichtung( Feuchtigkeitsdichtung gegenüber dem Erdreich) kann nicht kontrolliert werden. In jedem Falle kann davon ausgegangen werden, dass Erdfeuchtigkeit sowohl in die Bodenkonstruktion, wie auch ins Mauerwerk drückt. Über die Sandsteinfensterbank infiltriert Wasser ins Mauerwerk. Belastend kommt noch dazu, dass die hohe Raumfeuchtigkeit im ungedämmten Mauerwerk auskondensiert, dieses also praktisch nicht austrocknen kann. Die Feuchtigkeit im Mauerwerk zeigt sich an den Gipsausblühungen.
- Die Elektrobodenheizung verursacht einen Kurzschluss, was auf die hohe Feuchtigkeit im Boden zurückzuführen ist.


Maßnahmen
Die gesamte Stahl-Alustruktur bedarf einer detaillierten Sanierung.
    Das Mauerwerk muss nachhaltig vor Feuchtigkeit geschützt werden.
      Bei der Bodenheizung muss die defekte Stelle sondiert und geflickt werden.
      Es empfiehlt sich, nach der Feuchtigkeitsabdichtung von Stahlbau und Mauerwerk, ein Feuchtigkeitsgerät zu installieren, um den Boden auszutrocknen.



      Bewertung des Wintergartens:
      Die Wintergartenkonstruktion entspricht einem einfachen System, welches nicht zu dauerndem Aufenthalt geeignet ist. Die Installation einer Heizung verschärfte, wegen der höheren Luftfeuchtigkeit, die bauphysikalischen Probleme.
      In seiner ursprünglichen Form entspricht er in etwa einem Wert von CHF 36000.-
      Die Bodenheizung inkl. des neuen Plattenbodens CHF 12000.-

      Die Investitionen für die Sanierung belaufen sich auf etwa:
      Struktur max. inkl. Kittfugen und Fensterbank CHF 10000.-
      Mauerwerk inkl. Perimeterdämmung CHF 10000.-
      Bodenheizung inkl. Entfeuchtung CHF 2000.-

      Wir sind überzeugt, dass sich aus der bestehenden Konstruktion eine befriedigende Lösung realisieren lässt.

      Freundliche Grüsse
      WIGAFF


      Der Präsident
      F. Knobel



      Gutachten B


      Liestal, 08. Oktober 2007 U/Zeichen FK/CR

      Begutachtung Wintergarten

      Die Begutachtung ist ein erster Schritt und Vorstufe einer Expertise. Damit wird den Parteien Gelegenheit gegeben, dank einer neutralen Beurteilung, den Fall am Tisch zu diskutieren und Lösungen zu suchen, bevor juristische Schritte eingeleitet werden müssen.

      Ausgangslage
      Am 9. 6. 2005 ist Herr XY auf das WIGAFF als Wintergarten Fachstelle zugekommen mit der Bitte nach einer Expertise über seinen Wintergarten. Am 10. 6. 2005 hat er dann auf Verlangen von F. Knobel, Präsident des WIGAFF, diverse Unterlagen mit den Problem-Stellungen zugesandt.
      Am 14.2.07 hat F. Knobel vor Ort den Wintergarten begutachtet.

      Das Einfamilienhaus der Familie XY liegt an erhöhter exponierter Lage. An der Südostfassade auf der bestehenden Terrasse soll nun die neue Büroerweiterung konzipiert und realisiert werden.
      Herr XY hat im Mai 2003 bei einer Wintergarten-Hersteller-Firma dafür einen Glasanbau gekauft.
      In seinen Verhandlungen wurde explizit auf die Nutzungssituation des neuen Raumes hingewiesen. Diese sollte nämlich einen vollwertigen Arbeitsraum für die ganzjährige Nutzung abgeben. Herr XY hat deshalb verschiedene Anbieter von Verglasungssystemen offerieren lassen. Unter anderem auch eine Variante in Kunststoff, da er dieses System schon früher an seinem Haus eingesetzt hat und sehr zufrieden damit ist. Trotzdem konnte ihn der Inhaber der erwähnten Wintergarten-Hersteller-Firma von den Qualitäten seines Aluminiumsystemes überzeugen.
      Sein Angebot umfasste eine thermisch getrennte Aluminiumstruktur, System Aliplast mit Isolierverglasung, u-Wert 1.1 W/m2K. Es wurde wiederholt bestätigt und unterstrichen, dass sein System die Anforderungen an einen beheizten Arbeitsraum mindestens gleichwertig der Kunststoffvariante, erfüllen würde.
      Herr XY installierte zur Temperierung seines neuen Arbeitsraumes eine Bodenheizung mit fachgerechtem Bodenaufbau.

      Problempunkte
      Schon der erste Winter führte im neuen Raum zu Problemen insbesondere im Komfortbereich. Die Oberflächentemperaturen der Aluprofile sind extrem tief, zudem machen Zugserscheinungen an den Fronten den Raum kaum bewohnbar.
      In den Schienen-, bzw. Sockelprofilen sammelt sich Kondenswasser, überhaupt setzt sich Niederschlag an den kalten Oberflächen der neuen Struktur ab.

      Herr XY hat selbständig Messungen der Oberflächentemperaturen über eine längere Zeit durchgeführt und dokumentiert.
      Des Weiteren ist Herr XY bereits mit seinem Anwalt in Kontakt betr. seiner Probleme mit dem Wintergarten.

      Die erste Heizperiode wurde zugewartet, um der Neubaufeuchtigkeit genügend Zeit zur Austrocknung zu lassen.

      Ein unabhängiges Phänomen zeigte sich an der Balkonplattendecke, aus deren Mitte sich im Winter Eiszapfen formten. Ein Indiz von Wasserentspannung unterhalb des neuen Bodenbelages.



      Beurteilung WIGAFF
      Die von Herr XY gestellte Bauaufgabe ist ausgesprochen komplex und erfordert eine differenzierte Analyse und Beurteilung der Ausgangslage. Die Parameter sind:

      1. Lage
      Der Glasanbau ist sehr wetter- und windexponiert und Südost ausgerichtet.
      Gefordert ist also eine Struktur, welche grosse thermische Schwankungen ausgleichen, und erhöhte Windkräfte (Staudrücke), insbesondere die beweglichen Elemente wie Fenster und Schiebefenster, entgegenwirken kann.

      2. Funktion
      Für den neuen Raum ist eine ganzjährige dauernde Nutzung für sitzende Arbeit vorgesehen.
      Gefordert ist ein angenehmes, ruhiges, zugfreies Raumklima. Kalte Oberflächen entziehen dem sitzenden Körper Wärme. Dies führt zu einem unangenehmen Fröstelgefühl.

      3. Raumgeometrien
      Die Raumgeometrien des Anbaues sind, bezogen auf die Bodenfläche zu Umhüllungsfläche und Raumvolumen, sehr ungünstig.
      Einer Bodenfläche von 8m2 (Anbau) steht ein Volumen von ca. 19m3 gegenüber.
      Viel dramatischer jedoch präsentieren sich diese Bodenflächen/Volumen im Verhältnis zur entsprechenden Gebäudehülle von ca. 26m2 Alu- Glasfläche.
      Es ist einleuchtend, wie schwierig es wird, mit 8-10 m2 zusätzlich möglicher Heizfläche (Bodenheizung) 26m2 kalte Oberflächen auf Komfortniveau zu halten, ohne grosse Luftbewegungen (warme Luft verwirbelt kalten Fallwind) zu provozieren. Der ursprüngliche Büroraum wurde mit Radiatoren als Wärmestrahler beheizt. Neu verteilt nun der gesamte Fussboden die Wärme. Fussbodenheizungen laufen auf Niedrigtemperatur, beanspruchen also viel mehr Heizfläche. Um den kalten Fallwinden an der Front zu begegnen, wurden dieser entlang die Heizschlangen sehr dicht verlegt.
      Bei diesen beengten Raumverhältnissen muss davon ausgegangen werden, dass ein Tisch als Arbeitsfläche direkt an der Front zu liegen kommt, also an einem raumklimatisch kritischen Ort.
      Um einem adäquaten Nutzungskomfort zu erzielen, mussten also diesen sensiblen Parameter höchste Beachtung geschenkt werden.

      Gefordert ist eine Gebäudehülle, welche auch bei kalter Witterung eine vernünftige innere Oberflächentemperatur (max. 3° tiefer als die Raumtemperatur) gewährleistet.

      Das Produkt:
      Die Wintergarten-Firma vertreibt ein Aluminiumsystem (Aliplast Aluminium Systems), welches vom technischen Standard durchaus den normalen Anforderungen einer thermisch getrennten Verglasungsstruktur genügt.
      Die Verarbeitung des Produktes wurde fachgerecht und sorgfältig ausgeführt.

      Problem:
      Aluminium als Werkstoff ist von der statischen Belastung her schwach und erfordert deshalb relativ grosse Profilquerschnitte. Die hervorragenden Wärmeleiteigenschaften des Materials führen trotz der Isolationsstege (Thermische Trennung) alleine durch die Strahlungsverluste im Profilhohlraumbereich zu extremen Oberflächentemperaturen warm/kalt. Die sogenannte stehende (eingeschlossene) Luft dient, wegen der grossen Hohlraumquerschnitte, zudem noch als Wärmetransporteur von innerer Raumwärme nach aussen, Konvektion und verliert dadurch annähernd ihre wärmedämmenden Eigenschaften.
      Das relativ schlechte Verhältnis (materialbedingt) von Strukturanteil (Profile) zu Glasanteil, fällt deshalb ungünstig ins Gewicht. Die durchschnittliche Oberflächentemperatur der Glashülle ist für eine komfortable Raumnutzung viel zu tief/hoch.

      Auswirkungen auf die Benutzung:
      -Bauphysikalisch
      An den kalten Profilen(Aluminium) schlägt sich Kondenswasser sowohl oberflächlich, aber auch in den Überschlägen, Fälzen, der Fensterelemente nieder. Im ungünstigsten Falle, konnte nicht überprüft werden, wird sich auch Wasser in den Profilhohlräumen niederschlagen, was an und für sich kein Problem darstellt, wenn die kontrollierte Entspannung gewährleistet ist.
      Aluminium ist ein „weiches“ Material und bewegt sich unter Belastung relativ stark. Die lange Südostfront bietet eine grosse Windangriffsfläche. Es können bei diesen Konstruktionssystemen Fugenundichtigkeiten bei den Fensteranschlägen auftreten. Die Ostfront wurde bereits durch eine verbesserte Variante ausgewechselt. Trotzdem wird es extrem schwierig, wegen der grossen Verformungen der Front, die Luftdichtigkeit hier in den Griff zu bekommen. Die Folge ist ein unangenehmer Luftzug bei Wind. Zudem wird sich bei kalten Aussentemperaturen Kondenswasser in den Fensterfälzen niederschlagen.

      -Wohnphysiologisch
      Der ständige Arbeitsplatz ist unmittelbar an der Südostfront. Deren kalte Oberfläche entzieht dem menschlichen Körper ständig Wärme; es fröstelt ihn.
      Bei wechselnden Druckverhältnissen, sowohl aussen, wie innen werden leichte Zugserscheinungen über die Fensterfugen spürbar.
      Die Bodenheizung wirbelt die „Fallwinde“ der kalten Front auf. Auch hier kommt es zu Zugserscheinungen.
      Die hohen Luftbewegungen im Raum führen zu Staubaufwirbelungen und damit zu einer ungesunden Luftqualität.

      - Ökonomisch
      Die installierte Bodenheizung soll die unbehagliche Raumklimasituation kompensieren. Dies führt jedoch zu einem unverhältnismässig erhöhten Energieverbrauch.

      Schlussfolgerung:
      Die komplexen Gegebenheiten dieser Bauaufgabe wurden zuwenig seriös abgeklärt.

      Demzufolge wurde ein System verkauft, welches für diesen Fall ungeeignet ist. Inwiefern sich allerdings die vom Bauherrn ins Felde gebrachte Variante Kunststoff bewährt hätte, ist eine reine Vermutung. Es kann von einem einzelnen Element nicht automatisch auf eine komplette Raumverglasung geschlossen werden. Als sicher gilt jedoch, dass die durchschnittlichen Oberflächentemperaturen wegen der schlechteren Wärmeleitfähigkeit des Kunststoffes komfortabler ausgefallen wären. Hier hätte sich die Hersteller-Firma nicht soweit aus dem Fenster lehnen dürfen und ihr System gleichstellen.
      Es muss also nach einer Lösung gesucht werden, wie die durchschnittliche Oberflächentemperatur der Front erhöht werden, bzw. wie die Kälteabstrahlung dieser Front durch geeignete Massnahmen vermindert werden kann.

      Eiszapfenbildung unter der Balkonplatte:
      Die Regenwasserentwässerung des Wintergartens führt über eine Dachrinne zu einem Ablaufrohr in der Ostecke der Front. Von dort wird das Wasser in einer im Bodenaufbau eingelassen Rinne abgeleitet. Der Übergang vom Ablaufrohr zu dieser Rinne, der Anschluss an die Dachhaut, muss undicht sein. Ein Spritzversuch an dieser Stelle hat gezeigt, dass sich Wasser von dort aus entlang des Sockelanschlusses der Ostfront verteilen kann, bis es bei den „Eiszapfenlöchern“ an der Balkonplattenunterseite austreten kann.
      Der Anschluss des Sockelprofiles auf die Balkonplatte, sowie deren fachgerechte dichte Verklebung mit der Dachhaut, kann nicht überprüft werden. Die Vermutung, dass sich in den Kammern des Sockelprofiles Wasser niederschlägt, kann zutreffen muss aber nicht sein.

      Garantie:
      Einige Details betreffen noch Garantieleistungen, welche bis anhin nicht erbracht wurden.

      1) Grosse Schiebetüre gegen Osten geht zu streng. Auch Bedienungshebel
          zu hoch montiert.

      2) Beide Türen (gegen Nord- und Südseite) weisen einen Spalt auf. Dadurch
          entsteht Luftzug:

      3) Alle Isoliergläser wurden als Wärmeschutzgläser mit u- Wert 1,1 W / m2K
          verkauft. Es fehlen bei allen Gläsern die Bezeichnungen. (Es könnten auch
          normale Isoliergläser sein). Hier müsste noch die Lieferspezifikation vorgelegt werden.

      WIGAFF


      Der Präsident
      F. Knobel